25. Oktober 2021 19:30 Uhr

Fabrik für Kultur und Stadtteil Becker&Funck, Düren

Mehr als eine Füllstimme

Die Bratsche – Soloinstrument im Barock
Musik von Franz Benda, Carl Philipp Emanuel Bach, Christoph Schaffrath, Felice Giardini,
William Flackton u.a.

Francesca Venturi Ferriolo, Barockviola
Johannes Berger, Barockcello
Alexander von Heißen, Cembalo

Es gilt die 2G-Regelung!

Dass die Bratsche ins Zentrum vieler Witze rückte, ist vielen Musikliebhabern bekannt. Dem Bratschenwitz kommt unter Musikern ein ähnlicher Stellenwert zu wie allgemein in Deutschland dem Ostfriesenwitz. Mein Lieblingswitz? “Wie bringt man einen Bratscher dazu, mit Vibrato und Tremolo zu spielen? Man schreibt in die Noten “Solo”.”Der „Ruf“ des Bratschers rührt daher, dass die Bratsche im Orchester bis weit ins 19. Jahrhundert hinein nur eine begleitende Rolle übernahm. Aber wenn Sie denken dass es für sie relativ wenig Sololiteratur im 18 Jahrhundert gab, dann sind Sie auf dem falschen Weg. Dass die Bratsche nicht nur eine Dull Ripieno (Füllstimme) Ist, zeigt uns nicht nur der Frankfurter Georg Philipp Telemann mit sein Solo- Konzert sowie auch die sogenannte Berliner Komponisten der Sturm und Drang, die viel Solo- Literatur für Bratsche an der Preußischen Hof nachgereicht haben. Wäre es nicht spannend, mit dieser wunderschönen Musik die Wiederentdeckung der Bratsche als Soloinstrument zu feiern? Und dann gibt es da noch das Sahnehäubchen: Wir ( Bratsche, Cello und Cembalo) spielen auf Barockinstrumente. Unser Ziel ist sich auch klanglich den ästhetischen Vorstellungen der Vergangenheit anzunähern und diese mit eine frische und lebendigen interpretation zu gestalten. “Delectando docet”( unterrichten und dabei bespaßen) sagt ein römische Sprichwort und uns macht das Zusammenspiel und das moderieren mit dem Publikum richtig Spaß!

Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788) Sonata in G Moll für Viola und Cembalo Wq 88/H.512 Allegro Moderato-Larghetto-Allegro Assai
Christoph Schaffrath (1709-1763) Trio F- Dur für Viola, Violoncello und B.c. Largo-Allegro-Allegretto
William Flackton (1709-1798 ) Sonata VI in G Dur Andante-Allegro -Minuetto I -Minuetto II
Pause
Johann Philipp Kirnberger (1721-1783) Sonate für Violoncello und Basso continuo C-Dur aus “Vermischte Musikalien” (1769) Allegro ma non molto -Adagio -Cantabile -Variazioni I-IV
Franz Benda (1709-1786) Sonate C-Moll für Viola und Basso continuo (LeeB 3.137) Adagio-Allegretto-Allegro Moderato
Felice Giardini (1716-1796) Sonata in F Dur für Viola und B.c. Andante
-Grazioso-Allegro Scherzoso

Francesca Venturi Ferriolo ist eine leidenschaftliche Musikerin, die sich intensiv mit der Recherche und Aufführung von originaler Solo- und Kammermusikliteratur für Bratsche aus dem 18. und 19. Jahrhundert beschäftigt. Sie studierte Barockbratsche bei den Professorinnen Petra Müllejans und Mechthild Karkow an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. (Master in: Historische Interpretationspraxis). Sie promoviert gerade im Fach Musikwissenschaft zum Thema “Geschichte der Bratschensonate des 18. Jahrhunderts” an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main.Als Solistin erschien 2020 ihr Solo-Debütalbum “More than a dull ripieno!” beim Label “Da vinci classics”. Die CD würde von Frankfurt Allgemeine Zeitung, Frankfurt Journal, Musica u.a. ausgezeichnet bewertet sowie in Br klassik, SWR2 und Radio3 u.a. übertragen.Als Ensemblespielerin spielte sie mit dem von ihr 2013 gegründeten Ensemble für Alte Musik Il Quadro Animato​. Mit diesem gewann sie 2015 den ersten Preis beim Internationalen Wettbewerb für Alte Musik Premio Selifa und 2016 den Sonderpreis Kulturfeste im Land Brandenburg beim Gebrüder-Graun Wettbewerb in Bad Liebenwerda. Im gleichen Jahr wurde das Ensemble für das Eeemerging Program (Académie d’Ambronay) für 2017 und 2018 ausgewählt. Als Orchesterspielerin ist sie 2015 Stipendiatin des Projekts Génération Baroque von Martin Gester in Strasbourg und 2016 der Tafelmusik Baroque Summer Institute in Toronto, Kanada.Auf Einladung spielte sie mit Orchestern wie La Stagione Frankfurt unter Michael Schneider, mit Bern Consort unter Anton Steck, Teatro del mondo unter Andreas Küppers, Neumeyer Consort unter Felix Koch und Main Barockorchester unter Martin Jopp. Konzertreisen führten sie u.a. zu der Kölner Philharmonie, der Alten Oper in Frankfurt, dem Konzerthaus in Freiburg, dem Auditorium della Conciliazione in Rom, dem Teatro Biondo Stabile in Palermo, der National University of Music in Bukarest, dem Auditorium National de Lyon sowie zu Festivals wie Vielklang-Festival Tübingen, Festival d’Ambronay, Thüringer Bachwochen, Händel- Festspiele, Beverley & East Riding Early Music Festival- York, Haller Bach-Tage, Sonntagsmusik Telemann- Haus Magdeburg und Konzertreihe Händel-Haus Halle.

Der gebürtige Bremer Johannes Berger studierte nach dem Abitur zunächst modernes Cello bei Prof. Gert von Bülow in Rostock. Nachdem er als Praktikant im NDR-Sinfonieorchester Hamburg sowie im SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg Orchestererfahrung gesammelt hatte, folgte er seiner Leidenschaft für die Historische Aufführungspraxis und studierte Barockcello bei Prof. Kristin von der Goltz in München sowie in Frankfurt, wo er 2014 mit dem Konzertexamen abschloss. Seitdem unterrichtete er immer wieder als Assistent von Prof. Kristin von der Goltz, u.a. bei den Vielklang Meisterkursen in Tübingen 2014 bis 2016 und an den Musikhochschulen in München und Frankfurt. Als gefragter Continuo-Cellist ist er regelmäßig zu Gast bei Barockensembles wie dem Freiburger Barockorchester, dem Leipziger Concert, dem Bach Orchester Mainz, der Mannheimer Hofkapelle und Das Kleine Konzert unter Leitung von Hermann Max, mit denen er u.a. beim Festival für Alte Musik Knechtsteden, beim Stuttgarter Musikfest oder beim Bachfest Leipzig auftritt. In zahlreichen CD-Produktionen für CPO, SWR, BR, Accentus und Oehms wirkte er als Solo-Continuo mit.

Alexander von Heißen, geboren 1995, begann 2009 an Dr. Hoch’s Konservatorium in der Cembaloklasse von Diez Eichler mit dem Unterricht an historischen Tasteninstrumenten und studiert seit 2014 mit dem Hauptfach Cembalo bei Eva Maria Pollerus und dem Nebenfach Hammerklavier (klassisches und romantisches Klavierspiel) bei Jesper Christensen an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main. 2018 gewann er den 2. Preis beim internationalen Cembalowettbewerb Musica Antiqua in Brügge sowie einen Sonderpreis beim XXI. internationalen Bach-Wettbewerb-Leipzig. Mit dem Ensemble 4 Times Baroque hat er 2018 den Echo- Nachfolgepreis Opus Klassik als Nachwuchskünstler des Jahres in Empfang genommen. Beim Deutschen Musikwettbewerb 2021 wurde er mit einem Stipendium ausgezeichnet und in die Konzertörderung Deutscher Musikwettbewerb aufgenommen. Sowohl solistisch als auch im Ensemble veröffentlichte er zahlreiche CDs unter anderem beim Label Deutsche Harmonia Mundi (Sony Classical). In Zusammenarbeit mit Künstlern wie Andreas Scholl, Dorothee Oberlinger, Luca Pianca, Michael Schneider und Reinhard Goebel trat er u.a. beim MA Festival Brügge, dem Festival Oude Muziek Utrecht, den Händelfestspielen in Halle, den Thüringer Bachwochen, dem Rheingau Musikfestival, dem Mozartfest Würzburg und in der Alten Oper Frankfurt auf. Seit 2019 ist er Lehrbeauftragter an der Hochschule für Musik und Tanz Köln und unterrichtet seit 2021 die Fächer Cembalo und Aufführungspraxis an der Musikhochschule Münster. Alexander von Heißen war langjähriger Stipendiat des Deutschlandstipendiums.

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