27. August 2018 19:30 Uhr

Kulturfabrik Becker&Funck, Düren

La Follia und andere Verrücktheiten - Ensemble Cembaless¯

Cembaless¯
Elisabeth von Stritzky, Sopran
Robbert Vermeulen, Theorbe
Shen-ju Chang, Gambe
Stefan Koim, Barockgitarre/Arciliuto
Syrash Rastani, Daf/Tombak

Foto: Horst Helmut Schmeck

„Sonst scheinen die bekannten Folies d’Espagne auf gewisse Weise mit zu der Sarabanden – Gattung zu gehören; sie sind aber nichts weniger, als Thorheiten, im Ernst gesagt.“ (J. Mattheson, Der vollkommende Capellmeister, 1739)
Mit ihrem Programm „La Folia und andere Verrücktheiten“ greift Cembaless eines der beliebtesten harmonischen Improvisationsmuster des 16. und 17. Jahrhunderts auf – die Folia. Als Sarabande aus Südamerika kommend wurde sie zunächst in Spanien als wilder und zügelloser Tanz von Kastagnetten begleitet. Spanien stand zu jenem Zeitpunkt als große vorherrschende Handelsmacht unter vielfältigen kulturellen Einflüssen, und somit mischten sich möglicherweise iberisch-arabische Elemente mit ein. Im Hinblick auf das katholische Königshaus ist es jedoch kaum verwunderlich, dass die Sarabande/Folia auf Grund ihrer obszönen und erotischen Tanzbewegung sowie der lärmenden Musik bald unter strengen Strafen verboten und vom Klerus verurteilt wurde. „Besonders provocativ muß die Sarabanda gewesen sein, die ungefähr 1588 bekannt wurde und ihren Namen von einem ‚Teufel von Weib‘ in Sevilla oder Guayaquil an der Westküste von Südamerika haben soll“. Pater Ruan de Mariana (1536-1624) verglich desweiteren die Sarabande in seinem Buch „DeSpectaculis“ mit der Pest und warf ihr vor, „mehr Unheil [als diese] angerichtet zu haben“. Die feurigen und lebensfrohen Rhythmen waren aber nicht zu stoppen und gelangten als Folia, La Spagna, Sarabande, Passacaglia oder Chaconne Anfang des 17. Jahrhunderts ins heutige Italien, welches zu der damaligen Zeit großenteils von der spanischen Linie der Habsburger regiert wurde. Dort fand das Harmonieschema insbesondere in der Gitarrenmusik seinen Niederschlag. Die Rhythmen der Kastagnetten wurden zunehmend durch die Schlagtechnik auf der Gitarre ergänzt.
Um die Jahrhundertwende vom 16. zum 17. Jahrhundert standen sich Spanien und England als politisch konkurrierende und immer wieder Krieg führende Großmächte gegenüber. Auch musikalisch könnte die kulturelle Landschaft kaum kontrastreicher ausgesehen haben. Melancholie und Einsamkeit spiegeln in Lyrik und Musik des elisabethanischen Zeitalters eine anhaltende gesellschaftliche Stimmung wieder. Im Gegensatz zur extrovertierten Folia in Spanien wurde Musik und Tanz in England in kleinen Gesellschaften praktiziert, die der besonderen Intimität der Musik gerecht wurden. Der Folia-Bass fand zwar erst später über Frankreich kommend und in einer stark abgeänderten Form seinen Weg auf die Insel, als Pendant liebten jedoch die Engländer den Ground, ein sich ebenfalls wiederholendes Bass-Schema, das in Greensleeves sein berühmtestes Beispiel fand.
Mit der an die in England typische „Broken Consort“ angelehnten Besetzung, erschafft Cembaless eine eigene Klangwelt, die einerseits in die intime englische Kammermusik führen kann, als auch die feurigen spanischen Gitarrenrhythmen zum Klingen bringt und somit zwei musikalische Welten sowohl gegenüberstellt als auch miteinander vereint.

Die "Tonspuren" werden unterstützt durch: