19. November 2018 19:30 Uhr

Kulturfabrik Becker&Funck, Düren

Ohne Jagdschein - Christian Binde und Tobias Koch spielen Hornsonaten von Beethoven und Zeitgenossen

Eine virtuos-unterhaltende, fein gesponnene Hommage auf eine neue Ära im Ausdruck eines Ur-Insturments.

Vier Jahrtausende sollte es dauern, bis das Horn den Nimbus des reinen Signalgebers hinter sich lassen und seinen Einzug in die Kunstmusik halten konnte. Im Barock noch tief mit der Jagd assoziiert, verinnerlicht sich sein Ausdruck in der Epoche der Klassik, um in der Romantik nach Robert Schumann zur “Seele des Orchesters” zu werden.
Die Sonate für Horn und Klavier Op 17 von L. v. Beethoven ist ein echter Meilenstein! Das dem Star-Virtuosen Giovanni Punto auf den Leib geschriebene und von Beethoven selbst am Klavier begleitete Werk balanciert signalhafte Motivik und abstrakte kammermusikalische Konversation beispielhaft aus – und regt eine ganze Serie neuer Horn-Kompostionen an.

Programm
Franz Danzi (1763 – 1826) Sonate concertante e-moll, Op. 44 für Horn und Klavier Adagio sostenuto – Thema Allegretto – Variationen 1-7
Nicolaus von Kufft (1779 – 1818) Variationen für Klavier mit Begleitung eines Hornes über die Cavatine aus der Oper „Der Augenarzt“
Ludwig van Beethoven (1770 – 1827) Sonate F-Dur für Horn und Klavier Allegro moderato – Poco Adagio, quasi Andante – Rondo. Allegro moderato
zwischen den Stücken erklingen spontan moderierte Klavierwerke von Ludwig van Beethoven

Christian Binde, Naturhorn
In Duisburg geboren und in verschiedenen Städten des Ruhrgebiets aufgewachsen, wurde Christian Binde vom Kontrast aus Industrie und Kultur seiner Heimatregion geprägt. Nach vier Jahren als fest angestellter Musiker zog es ihn musikalisch hin zur Alten Musik und geographisch für zehn Jahre nach Wien. Als Künstler war für Christian Binde der Kontrast zwischen Neuer und Alter Musik, zwischen freischaffender Arbeit in verschiedenen Orchestern und seinen eigenen Ensembles sowie seine Lehrtätigkeit prägend. So spielte er mit Ensembles wie dem Freiburger Barockorchester, Concerto Köln, dem Mahler Chamber Orchestra, dem Rundfunksinfonieorchester Wien, Le Cercle de l’Harmonie Paris, dem Klangforum Wien und MusikAeterna Perm (RU) in Europa, Asien und Amerika. Zudem unterrichtete er an den Universitäten in Linz und Trossingen. Seit 2007 lebt Christian Binde wieder in Köln. Aus dem Wunsch heraus, den eigenen musikalischen Ideen Ausdruck zu verleihen, gründete er 2010 die Compagnia di Punto.
Christian Binde spielt ein Naturhorn von Andreas Jungwirth 1995 nach Raoux.

Tobias Koch, Klavier
Mit Entdeckungsfreude und unvoreingenommener Vielseitigkeit dem Geheimnis des
Klanges nachspüren, das ist das musikalische Credo von Tobias Koch. Seit Beginn
seiner musikalischen Laufbahn faszinieren ihn die Ausdrucksmöglichkeiten
historischer Tasteninstrumente: Auf Cembalo, Clavichord, Tangenten- und
Hammerflügel, Orphika, Pedalflügel, Orgel und romantischem Konzertflügel spielt er
ebenso unorthodox wie lebendig jede Art von Musik – „mit entwaffnender
Spontaneität“, wie eine große deutsche Tageszeitung über ihn schreibt. Dafür sucht
er nach intensiven musikwissenschaftlichen wie aufführungspraktischen Studien das
am besten geeignete Instrument und kommt immer wieder zu überraschend neuen
Ergebnissen. So gilt Tobias Koch seit langem als einer der profiliertesten Interpreten
auf dem Gebiet der romantischen Aufführungspraxis und erntet internationale
Anerkennung für seine Pionierarbeit bei der Aufführung von Robert Schumann
Klavierwerken auf historischen Instrumenten: “Von der ersten Sekunde an inspiriert
und inspirierend: Tobias Koch spielt Robert Schumann so, wie man ihn spielen sollte,
um ihm gerecht zu werden: Revolutionär, romantisch, virtuos, emotional, aber
unkitschig und unprätentiös. Koch lässt durch sein Klavierspiel musikalische Bilder
wie im Fluge entstehen und wieder vergehen. Mitreißend gespielt, wird hier einfach
jeder Takt zum Erlebnis.” (MDR Figaro).Eine umfassende musikalische Laufbahn führt ihn durch ganz Europa. Als Solist,Kammermusiker und Liedbegleiter gastiert er bei bedeutenden Festivals, darunterSchleswig-Holstein Musikfestival, Ludwigsburger Schlossfestspiele, Verbier Festival,Chopin-Festival Warschau, Rheingau Musikfestival, Beethovenfest Bonn,
Schumannfeste Düsseldorf, Bonn, Leipzig, Zwickau, Mendelssohn-Tage im
Gewandhaus Leipzig, Tage Alter Musik Herne. Wertvolle künstlerische Impulse erhielt er in Meisterklassen von David Levine, Roberto Szidon, Walter Kamper, Jos van Immerseel und Claire Chevallier. Tobias Koch ist Förderpreisträger Musik der Landeshauptstadt Düsseldorf und unterrichtet an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf sowie an Akademien in Verbier und Montepulciano. Zu seinen musikalischen Partnern gehören Andreas Staier, Gottfried von der Goltz und Joshua Bell, Steven Isserlis, Markus Schäfer, Pleyel- und
Hoffmeister-Quartett, Frieder Bernius mit seiner Stuttgarter Hofkapelle und Concerto
Köln. Darüber hinaus verbindet ihn eine enge Zusammenarbeit mit Instrumentenbauern, Restauratoren und zahlreichen renommierten Instrumentenmuseen.
Eine Vielzahl von Rundfunk- und TV-Produktionen, Publikationen zu Aufführungspraxis, Rhetorik und Musikästhetik runden seine musikalische Tätigkeitebenso ab wie inzwischen über 25 CD-Aufnahmen, mit Werken von Mozart,Beethoven, Burgmüller, Mendelssohn, Schumann, Chopin, Liszt, Wagner und Brahms. Vom unwiderstehlichen Klang alter Klaviere magisch angezogen, spielt Tobias Koch seit Jahren international erfolgreich exklusiv auf historischen Instrumenten.
Tobias Koch spielt dieses Konzert auf einem Flügel von Ioannes Broadwood, London 1792 (Sammlung Dr. Ernst Sell)

Die "Tonspuren" werden unterstützt durch: