15. April 2019 19:30 Uhr

Jülicher Schlosskapelle

Über die musikalischen Freundschaften des Grafen von Keyserlingk - Konzert aus Anlass der XV. Deutsch-Russischen Städtepartnerkonferenz im Kreis Düren

Russischer Botschafter, Musikmäzen und Freund der Familie Bach

Evgeny Sviridov, Violine
Darja Großheide, Traversflöte
Davit Melkonyan, Violoncello
Markus Märkl, Cembalo

Photo Gaetano Calabrese
Programm
Carl Philipp Emanuel Bach (1714 – 1788) Triosonate in d-moll für Flöte, Violine und B.c. Allegretto – Largo – Allegro
Carl Heinrich Graun (1704 – 1759) Sonate in C-Dur für Violoncello und B.c. Largo – Poco Allegro – Allegretto
Wilhelm Friedemann Bach (1710-1784) Polonaisen C-Dur und c-Moll F.12, ca. 1765
Carl Philipp Emanuel Bach (1714 – 1788) Duo in e-moll/G-Dur für Flöte und Violine Andante – Allegro – Allegretto
Luigi Madonis (ca.1690 – 1770) Sonate X in F-Dur für Violine und B.c.( St.Petersburg, 1738 )
Pause
Domenico Dall`Oglio (ca.1700 – 1764) Sonate für Violine und Cello (St.Petersburg)
Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) aus den Goldberg-Variationen BWV 988 Aria und Variatio 25, Adagio
Johann Gottfried Müthel (1714 – Riga 1788) aus der Sonate in D-Dur für Flöte und Cembalo Cantabile
Johann Sebastian Bach? Schülerarbeit von Goldberg? oder CPE Bach? Triosonate in G-Dur, BWV 1038 für Flöte, skordierte Geige und B.c. Largo – Vivace – Adagio – Presto

Evgeny Sviridov wurde 1989 in St. Petersburg geboren und studierte Geige am dortigen Konservatorium. Schon als Student wurde er Preisträger renommierter Wettbewerbe, darunter „Yehudi Menuhin“ in Cardiff, „Premio Paganini“ in Genua und „Jascha Heifetz“ in Vilnius. 2010 gewann er den 1. Preis beim Bachwettbewerb in Leipzig, 2016 und 2017 zudem die 1. Preise und Publikumspreise bei den Wettbewerben in Rouen (Concours Corneille) und Brügge (Musica antiqua). Von 2015 bis 2017 studierte er Barockgeige in Köln. Seit 2015 ist er Konzertmeister des Concerto Köln, darüber hinaus aber auch bei weiteren Ensembles zu Gast, u. a. dem Ensemble 1700, dem Ensemble “Il Pomo d’Oro”, dem Ensemble “B’rock” und seinem ständigen Ensemble Ludus Instrumentalis. Als Solist und Ensemblemusiker ist Evgeny Sviridov in den großen Sälen und bei wichtigen Festivals zu hören, darunter das Bachfest Leipzig, die Thüringer Bachwochen, die Festivals in Potsdam, Cremona, Brüssel und Brügge sowie das Concertgebouw Amsterdam, die Kölner Philharmonie und das Konzerthaus Berlin. Seit 2015 spielt er eine Barockgeige von Januarius Gagliano (Neapel 1732), die von der Stiftung „Jumpstart“ ausgeliehen ist. Verschiedene CD-Projekte dokumentieren seine musikalische Tätigkeit. Bei „Genuin“ veröffentlichte er Werke von Bach und Biber, bei „ERP“ diverse Sonaten Vivaldis, die Erscheinung der neuen CD mit Tartinis Werken beim Label “Ricercar” ist für den September 2018 geplant.

Darja Großheide studierte zunächst Blockflöte bei Sergio Balestracci in Padua (Italien). Es folgten Studienabschlüsse an den Musikhochschulen von Maastricht (NL bei Jerome Minis) und Köln (Manfredo Zimmermann). Bei Karl Kaiser machte sie ein zweijähriges Aufbaustudium für Traversflöte an der MHS Frankfurt, bei Martin Sandhoff spezialisierte sie sich zusätzlich auf das Spiel romantischer Klappenflöten. Sie konzertiert mit verschiedenen Barockorchestern sowie in unterschiedlichen kammermusikalischen Formationen. Mehrere CD-Produktionen mit Ersteinspielungen ihres Ensembles „musica solare“ sind aus dieser Arbeit hervorgegangen (u.a.Kantaten von Ariosti, Sonaten von Nardini). 2010 gründet Darja Großheide die Kammerkonzertreihe „Tonspuren“, die seit 2015 in der Kulturfabrik Becker&Funck in Düren vom Kunstförderverein Kreis Düren veranstaltet wird und die sie als Musikalische Leiterin betreut. In den letzten Jahren hat sie an wichtigen Musiktheaterproduktionen mit dem Regisseur A.Schvarzstein teilnehmen dürfen (Fugit. La Locura), die ihre Arbeit nachhaltig prägen und sie zu neuen Konzertformaten inspirieren wie zB Musik & Comedy.

Davit Melkonyan (*1986 in Eriwan/Armenien) begann seine Ausbildung an der Hochschule für Künste in Bremen bei Viola de Hoog und setzte sie an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock bei Gert von Bülow fort. Sein Studium schloss er im Jahre 2011 an der Universität der Künste in Berlin bei Jens-Peter Maintz mit Auszeichnung ab. Wichtige Anregungen und Impulse erhielt er von Walter Levin, Anner Bylsma, Christophe Coin Reinhard Goebel und Helmut Lachenmann. Als Preisträger des XVI. Internationalen Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerbs in Leipzig gastierte Davit Melkonyan bei bedeutenden Musikfestivals, wie dem Musikfest Bremen, den Tagen Alter Musik Herne, den Bach-Mendelssohn Festtagen in Leipzig und im Bachhaus in Eisenach, den Thüringer Bachwochen in Weimar und den Frankfurter Kammermusiken in Frankfurt (Oder). 2011 erspielte er sich den 2. Preis beim XXXIV Internationalen Wettbewerb für die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts „Premio Bucchi“ in Rom, Italien. 2012 erhielt Davit Melkonyan gemeinsam mit dem Cembalisten und Hammerklavier-Spezialisten Mikayel Balyan den Förderpreis „Artist in Residence Deutschlandfunk 2012“ des Musikfests Bremen und des Deutschlandfunks. 2013 spielte das Duo Melkonyan-Balyan die Sonaten von Bernhard Romberg auf Originalinstrumenten ein, im folgenden Jahr erschien ihre Aufnahme der Sonaten von Johannes Brahms bei Sony Classical, Deutsche Harmonia Mundi, ebenfalls auf Originalinstrumenten. Im Dezember 2015 veröffentlichte cpo Melkonyans Einspielung der Cellokonzerte Nr. 1 und Nr. 5 von Bernhard Romberg mit der Kölner Akademie unter der Leitung von Michael Alexander Willens. Im September 2017 nahm er gemeinsam mit Christophe Coin im WDR die drei Duos op. 33 von Bernhard Romberg auf. Im gleichen Jahr trat das Duo Coin-Melkonyan wiederholt mit Duo-Programmen in Deutschland und Frankreich auf. Im November 2016 gewann Melkonyan mit seinem Barockensemble „Ludus Instrumentalis“ den 1. Preis beim Gebrüder-Graun-Wettbewerb. Es folgten Auftritte beim Bachfest Leipzig, dem Festival de Musique du Haut Jura, der Chapelle Corneille in Rouen und den Potsdamer Festspielen. 2018 wurde das Ensemble zur „Rheinsberger Hofkapelle – Ensemble in Residence “ im Schloss Rheinsberg ernannt. Er arbeitet kammermusikalisch zusammen mit Mikayel Balyan, Christophe Coin, Andrés Gabetta, Tobias Koch, Chouchane Siranossian, Evgeny Sviridov und Anton Steck. Neben der konzertierenden Tätigkeit beschäftigt sich Davit Melkonyan mit der Interpretationsforschung und dem Studium der Streicher-Spieltechniken des 18. und 19. Jahrhunderts sowie der Wiederaufführung in Vergessenheit geratener Werke dieser Epochen. Er wurde von der Berner Fachhochschule, dem Musikinstrumentenmuseum Berlin sowie dem Zentrum für Alte Musik Köln eingeladen, die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit in Vorträgen und Gesprächskonzerten vorzustellen.

Markus Märkl stammt aus dem bayerisch-schwäbischen Dillingen an der Donau und studierte nach dem Abitur zuerst in Augsburg am heute nicht mehr existierenden Leopold-Mozart-Konservatorium Cembalo und Orgel. Der Klang historischer Tasteninstrumente faszinierte ihn derart, dass er sich zu weiterführenden Studien der Alten Musik an der Schola Cantorum Basiliensis in der Schweiz entschied. Diplome für beide Instrumente mit Auszeichnung und ein Preis beim Paul-Hofhaimer- Orgelwettbewerb in Innsbruck waren motivierende Etappen auf Märkls künstlerischem Weg, der ihn 1995 nach Paris führte. Während dreier wichtiger Jahre in dieser in jeglicher Hinsicht anregenden Stadt begann seine internationale Konzerttätigkeit die ihn neben Europa nach Israel, den USA, Singapur und Australien führte. Seit 1992 Begleiter von Andreas Scholl, wurde Markus Märkl in den darauf folgenden Jahren ein gefragter Continuo-Cembalist. Seit 1998 lebt er nun als freischaffender Musiker in Köln und widmet sich hier vor allem der Kammermusik, besonders als Mitglied des Kölner Ensembles CordArte, sowie verstärkt dem Solo-Repertoire. Ergänzend wird er gerne zu Kursen für Generalbass oder Improvisation eingeladen. Seit einigen Jahren beschäftigt sich Markus Märkl zudem wieder intensiver mit dem Klavierspiel. Markus Märkl interessieren vor allem Programme mit einem thematischen oder historischen Fokus, die Zusammenhänge aufzeigen oder interessante Einblicke vermitteln können in ein Repertoire, das auch heute noch weitgehend dem «Kenner und Liebhaber derartiger Gemüthsergötzung» vorbehalten ist. Wichtig ist ihm hierbei, dass trotz der hierfür notwendigen wissenschaftlichen Einarbeitung am Ende die Musik für sich selbst sprechen mag. So sucht er einen eher lustvollen und anregenden Umgang mit historischen Quellen, die er auf humorvolle Art seinem Publikum vermitteln will. Und gerne zitiert er einen lieb gewordenen Satz von August Everding, der jedem Interessierten an der teilweise nicht immer einfach zu konsumierenden Materie «Kunst» ein Leitfaden sein dürfte: Wissen macht Lust. – Und ja vielleicht Lust auf mehr!

Die "Tonspuren" werden unterstützt durch: