14. Mai 2018 19:30 Uhr

Kulturfabrik Becker&Funck, Düren

Mr. Dowland set by …

John Dowland (1563 – 1626) – Transkriptionen für Tasteninstrument und Blockflöte
Michael Hell, Cembalo, Clavichord & Blockflöten

Ohne jeden Zweifel ist John Dowland eines der größten musikalischen Talente, die das musikalisch und literarisch geradezu brodelnde elisabethanische Zeitalter hervorgebracht hat. Wer liebt nicht seine Lautenlieder „Flow my teares“ oder „Come again“? Schon zu Lebzeiten waren seine Kompositionen in ganz Europa beliebt und wurden zum Teil durch ihn selbst auf seinen ausgedehnten Reisen bekannt gemacht. Alle seine überlieferten Werke sind entweder für Laute, Gesang oder Geigen- bzw. Gambenconsort. Dieser an sich tragische Umstand inspirierte einige der größten Tasteninstrumentenspieler seiner Zeit wie William Byrd oder Jan Pieterszoon Sweelinck sich seiner schönsten Kompositionen anzunehmen und sie kunstvollst verziert auf das Tasteninstrument zu übertragen. Auch der blinde Blockflötenvirtuose und Carrillonspieler Jan Jacob van Eyck nahm sich seiner Kompositionen an.

Aut Furit, aut Lachrimat, quem non Fortuna beauit.

PROGRAMM
Am Cembalo
Jan Pieterszoon Sweelinck (1562 – 1621) Paduana Lachrimæ collorirt. Jo: P.er: Sch: Amb: Org: in a nach Lacrime. Flow my teares (1600, Nr. 2) und Lachrimæ Antiquæ (1604, Nr. 1) aus dem Manuskript Mus.ms. Bártfa 27 in der Országos Széchényi Könyvtár in Budapest
Melchior Schildt (1592/3 – 1667) Paduana Lagrima M. Schildt in a nach Lacrime, Flow my teares (1600, Nr. 2) und Lachrimæ Antiquæ (1604, Nr. 1) aus einem Manuskript im Anhang von Gabriel Voigtländers Erster Teil allerhand Oden und Lieder (1642) in der Kongelige Bibliotek in Kopenhagen
Mit der Flöte
Jan Jacob van Eyck (c. 1590 – 1657) Excusemoy. in a (notiert in g) nach Can shee excuse my wrongs with vertues cloake (1597, Nr. 5) und The Earle of Essex Galiard
(1604, Nr. 12)
aus DER FLUYTEN LUST-HOF, … TWEEDE DEEL. (Amsterdam, 1646 & 1654)
Am Clavichord
Anonym Englosa in A/fis (notiert in F/d) nach Sir John Smith’s Almain aus dem Manuskript MusHs 512, Inv. 9647 in der Bibliothek der Oberösterreichischen Landesmuseen in Linz (begonnen 1611)
John Wilbye (1574 – 1638) The Frogge: Finis August 25 1612 in E (notiert in C) nach Now, o now und The Frog Galliard aus Clement Matchett’s Virginal Book MS. 9448 in der National Library of Scotland in Edinburgh
Mit der Flöte
Jan Jacob van Eyck (c. 1590 – 1657) Comagain gebroken van I. IACOB van EYCK. in A (notiert in C) nach Come againe: sweet loue doth now enuite (1597, Nr. 17) aus EUTERPE OFT SPEEL-GODDINNE (Amsterdam, 1644) und DER FLUYTEN LUST-HOFEERSTE DEEL. (Amsterdam, 1648 & 1649)
Am Cembalo
Samuel Scheidt (1587 – 1654) Galliarda Dulenti Varirt Sam: Sch: oder Englosa in D nach The King of Denmarks Galiard (1604, Nr. 11) aus dem Manuskript Mus.ms. Bártfa 27 in der Országos Széchényi Könyvtár in Budapest und dem Manuskript MS XIV.712 im Minoritenkonvent Musikarchiv in Wien
PAUSE
Mit der Flöte
Jan Jacob van Eyck (c. 1590 – 1657) Pavaen Lachrymæ, van J. J. van EYCK. in e (notiert d)
nach Lacrime. Flow my teares (1600, Nr. 2) und Lachrimæ Antiquæ (1604, Nr. 1)
aus EUTERPE OFT SPEEL-GODDINNE (Amsterdam, 1644) und DER FLUYTEN LUST-HOFEERSTE DEEL. (Amsterdam, 1648 & 1649)
Am Cembalo
Andreas Hakenburger zugeschrieben A Pavion Solus cum So la in F nach Pavan Solus cum sola aus dem Manuskript Drexel 5612 in der Public Library in New York (c. 1620 – 1660)
Paul Siefert (1586 – 1666) Paduana a Paul Sibern in F nach Pavan La mia Barbara aus Gustav Düben’s Keyboard Book Instr. mus. hs. 408 aus der Universitetsbibliotek in Uppsala
Mit der Flöte
Jan Jacob van Eyck (c. 1590 – 1657) 2. Courant, of Harte diefje waerom zoo stil. in D (notiert in C) nach Now, o now und The Frog Galliard aus DER FLUYTEN LUST-HOF, … TWEEDE DEEL. (Amsterdam, 1646 & 1654)
Am Cembalo
William Byrd zugeschrieben [Finis By Mr. Birde] If my complaintes coulde passions move in g nach If my complaints could passions mooue (1597, Nr. 4) und Captaine Digorie Piper his Galiard (1604,Nr. 18) aus dem Manuskript Mus. 431 in der Christ Church Library in Oxford
Peter Philips (1560 oder 1561 – 1628) Galliarda Pietro Phillipi in g nach If my complaints could passions mooue (1597, Nr. 4) und Captaine Digorie Piper his Galiard (1604, Nr. 18) aus dem Manuskript Mus.ms. 40316 in der Biblioteka Jagiellónska in Krakau
William Randall zugeschrieben Galliard Can she excuse and may serve to Lacrimae: in g
nach Can shee excuse my wrongs with vertues cloake (1597, Nr. 5) und The Earle of Essex Galiard (1604, Nr. 12)
aus dem Tisdale Virginal Book Mu.MS:782 im Fitzwilliam Museum in Cambridge
Am Clavichord
Anonymus ye Lady Layton’s Allmaine in H (notiert in G) nach Lady Layton’s Almain aus dem Manuskript Rés. 1186 in der Biblithèque Nationale in Paris (c. 1630)
Anonymus Aria franzese in H (notiert in G) nach Lady Hunsdon’s Puffe aus dem Manuskript Magl. XIX. 115 in der Biblioteca Nazionale Centrale, Dipartimento Musica in Florenz
Anonym Pavana Come. und Alio modo in H (notiert in G) nach Come againe: sweet loue doth now enuite (1597, Nr. 17) aus dem Manuskript MS Foà 7 in der Biblioteca Nazionale Universitaria in Turin
Anonym [Sleep wayward thoughts] in H (notiert in G) nach Sleep wayward thoughts (1597, Nr. 13) aus dem Manuskript Add. 15117 in der British Library in London

Michael Hell ist Professor für Cembalo und Generalbass am Institut für Alte Musik und Aufführungspraxis der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz und einer der beiden künstlerischen Leiter der Neuen Hofkapelle Graz, dazu auch begeisterter Blockflötist.
Seit Abschluss seiner Studien übt er eine rege Konzerttätigkeit als Solist, Kammer- und Orchestermusiker aus. So führten ihn Konzertreisen nach Belgien, Deutschland, China, Estland, Frankreich, Großbritannien, Japan, Israel, Kolumbien, Lettland, Luxemburg, in die Niederlande, nach Norwegen, Österreich, Polen, Slowenien, Spanien, in die Schweiz und in die USA.
Seit 2010 leitet er zusammen mit der Barockgeigerin Lucia Froihofer in künstlerischer Doppeldirektion das Barockorchester Neue Hofkapelle Graz. Mit diesem Ensemble bestreitet er in Graz drei Konzertzyklen für Orchester- und Kammermusik wie auch für Kinder- und Familienkonzerte, tritt zudem jährlich bei der styriarte auf. Auslandsengagements brachten das Ensemble u. a. in die Kölner Philharmonie, zum Festival Musica Viva Osnabrück, zum Festival Alte Musik Knechtsteden und zu den Bad Arolser Barockfestspielen. Die Entwicklung von ungewöhnlichen Konzertformaten mit diesem Ensemble ist Michael Hell dabei ein besonderes Anliegen.
Ein weiteres Interesse gilt der Kammer- und Vokalmusik. Neben der Arbeit mit seinen Ensembles Austrian Baroque Connection und Musicke’s Pleasure Garden widmet er sich vermehrt auch der barocken Oper, die er als musikalischer Leiter, Continuospieler oder Blockflötist aus verschiedenen Perspektiven kennt.
2016 und 2017 war Michael Hell außerdem der musikalische Leiter der vielbeachteten Musiktheaterproduktion „FUGIT“ mit dem zamus-ensemble Köln und der Theatergruppe Kamchàtka (Regie: Adrian Schvarzstein), welches beim Festival Oude Muziek 2017 in Utrecht mit großem Erfolg wiederaufgenommen wurde. 2017 übernahm er zudem die musikalische Leitung der Hauptproduktion der styriarte: „La Margarita“ war zugleich ein Rossballett und barockes Opernpasticcio, welches europaweit auch im TV übertragen wurde.
Als Cembalist und Blockflötist wirkte er bei zahlreichen Radio-, Fernseh- und CD-Aufnahmen mit. 2011 erschienen die CD „Un Camino de Santiago“ des Ensembles La Fenice, auf der Michael Hell auf dem Cembalo, der Orgel, der Blockflöte und als Sänger zu hören ist (ricercar), und die Debüt-CD der Neuen Hofkapelle Graz mit Werken von Johann Joseph Fux (querstand). 2015 wurde die erste Gesamtaufnahme sämtlicher Blockflötensonaten des französisch-englischen Blockflötenvirtuosen Jacques Paisible mit dem Ensemble Musicke’s Pleasure Garden (paladino music) und 2016 die erste Gesamtaufnahme von Fux’ „Concentus musico-instrumentalis“ mit der Neuen Hofkapelle Graz (cpo) veröffentlicht. Im März 2018 erschien als besonderes Herzensprojekt eine CD mit verschiedenen Versionen von Arcangelo Corellis Sonaten Op. 5 mit seiner Kollegin und Duopartnerin Susanne Scholz (querstand).
Direkt nach Abschluss seiner Studien in Hannover (Blockflöte bei Siri Rovatkay-Sohns und Cembalo bei Zvi Meniker) und Basel (Cembalo und Generalbass bei Jesper Christensen) begann Michael Hell am Institut für Alte Musik und Historische Aufführungspraxis an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz Blockflöte, Cembalo, Generalbass und Lehrpraxis zu unterrichten. Seit dem Wintersemester 2011/12 ist er dort als Universitätsprofessor für Cembalo, Generalbass und Barockorchester angestellt. Er hält dort und auf internationalen Symposien regelmäßig Vorträge zur historischen Aufführungspraxis. Seine Schwerpunkt liegt dabei auf der stilistisch differenzierten Ausführung von Ornamentik und Generalbass, welche er auch in regelmäßigen Vorlesungen und Seminaren weitervermittelt. Er ist regelmäßig Dozent auf Sommerakademien und Meisterkursen.
In seiner Freizeit fährt er leidenschaftlich gerne Motorrad.

VERWENDETE INSTRUMENTE
einmanualiges Cembalo
von Christian Fuchs (Frankfurt, 2012)
nach Giovanni Battista Boni (Rom, 1619)
- a’ = 415 Hz
- C/E – c3 mit geteilten Tasten für D/Fis, E/Gis, dis/es, gis/as, dis1/es1, gis1/as1, dis2/es2
- einchörig
- in 1/4-Komma-Mitteltönigkeit gestimmt

drei- bis vierfachgebundenes Clavichord
umgebaut von Alfons Huber (Wien, 2015)
nach dem Clavichord Leipzig Nr. 3 (Italien, 2. Hälfte des16. Jahrhunderts)
- a’ = 520 Hz (eine große Terz über 415 Hz)
- C/E – c3
- in modifizierter 1/4-Komma-Mitteltönigkeit gestimmt

Renaissanceblockflöten in c’, g’, c’’
von Adrian Brown
nach den Renaissanceblockflöten im Kunsthistorischen Museum Wien (Venedig, 2. Hälfte
16. Jahrhundert)
- a’ = 465 Hz (ein Ganzton über 415 Hz)
- in 1/4-Komma-Mitteltönigkeit gestimmt

ÜBERBLICK ÜBER DIE ERSTDRUCKE DER WERKE DOWLANDS
THE FIRST BOOKE of Songes or Ayres of fowre partes with Tableture for the Lute: So
made that all the partes together, or either of them seuerally may be song to the Lute,
Orpherian or Viol de gambo.
(London, 1597)
THE SECOND BOOKE of Songs or Ayres, of 2. 4. and 5. parts: With Tableture for the Lute
or Orpherian, with the Violl de Gamba.
(London, 1600)
THE THIRD AND LAST BOOKE OF SONGS OR AIRES. Newly composed to sing to the Lute,
Orpharion, or viols, and a dialogue for a base and meane Lute with fiue voices to sing
thereto.
(London, 1603)
LACHRIMAÆ, OR SEAVEN TEARES FIGVRED IN SEAVEN PASSIO-nate Pauans, with diuers
other Pauans, Galiards, and Almands, set forth for the Lute, Viols, or Violons, in fiue
parts.
(London, 1604)
A Pilgrimes Solace. Wherein is contained Musicall Harmonie of 3. 4. and 5. parts, to be
sung and plaid with the Lute and Viols.
(London, 1612

Die "Tonspuren" werden unterstützt durch: