12. Februar 2017 19:30 Uhr

Kulturfabrik Becker&Funck, Düren

Dowland’s Delight

Harfenmusik der englischen Renaissance und Klänge der keltischen Welt
Tom Daun, Harfe

John Dowland, englischer Komponist und Lautenist der Renaissancezeit, wirkte acht Jahre lang am dänischen Königshof. Auch ein irischer Harfenist namens Charles O’Reilly („Carolus Orelli“) gehörte zur Hofkapelle. Es ist anzunehmen, dass die zwei Kollegen auch gemeinsam musizierten. Die Kombination von Laute und Harfe war zur damaligen Zeit sehr beliebt und viele Melodien Dowlands lassen sich hervorragend auf Harfe übertragen.
Im Konzert erklingen neben tänzerischen Kompositionen der englischen Renaissancezeit auch keltische Melodien. Bis ins 18. Jahrhundert war die Harfe das Nationalinstrument von Iren und Schotten. Der Barde Turlough O’Carolan, bis heute einer der bekanntesten Komponisten Irlands, traf sogar mit dem italienischen Barockmeister Geminiani zusammen, der damals in Dublin lebte.
Ein abwechslungsreicher und vergnüglicher Abend mit melancholischen und heiteren Melodien, gespielt auf diversen historischen Harfen.

Tom Daun
Schon während des Studiums der Schulmusik (Hauptfach Gitarre) an der Musikhochschule Köln war mein Interesse an Folkmusik und außereuropäischen Klängen ausgeprägt. Nach dem Staatsexamen studierte ich an der School of Scottish Studies das Fach Scottish Folk Music , außerdem an der Universität Edinburgh Musikethnologie und „History of Notation“. Mein Studium schloß ich mit dem Titel „Master of Music“ ab.
Damals begann ich autodidaktisch mit dem Harfenspiel. Nachdem ich nach Deutschland zurück gekehrt war, gründete ich mit meinen Brüdern Rafael und Ekkehard sowie dem Drehleiervirtuosen Walter Simons das Folk-Quartett La Rotta. Während der 80er und frühen 90er Jahre gehörten wir zu den erfolgreichsten Ensembles der deutschen Folkszene mit vielen Konzerten im In- und Ausland. Im freien Zusammenspiel mit Instrumenten wie Dudelsack, Drehleier, Xylophon oder Akkordeon lernte ich, mich auf der Harfe musikalisch auszudrücken – und auch die rhythmische Seite des meist eher zärtlich behandelten Instrumentes zu entdecken.
Auch die Volkstraditionen der Harfe begannen mich zu interessieren: die rhythmisch faszinierende Musik Südamerikas, die derbe Spielweise der Tiroler Harfe, die walisische Zigeunermusik auf Triple-Harp, die irischen und vor allem schottischen Clarsachs. Harfen-Freundschaften entstanden; erste selbst organisierte Harfenfestivals mit Kollegen wie Andrew Lawrence-King, Alfredo Rolando Ortiz, Uschi Laar, Dominig Bouchaud, dem schottischen Duo Sileas, Kim Robertson, Bill Taylor, Robin Huw Bowen und vielen anderen.
Gleichzeitig begann ich, die Geschichte der Harfe zu erforschen; der Kontakt zum Harfenbauer Christoph Löcherbach und seiner Klangwerkstatt weckte die Neugier nach der böhmischen Harfentradition. Bei Baukursen der Klangwerkstatt betätigte ich mich auch handwerklich. Die böhmische Harfe kommt bei vielen Konzerten zum Einsatz. Schon ein paar Jahre vorher hatte ich von Frank Sievert meine erste keltische Harfe – Modell Simaril – gekauft; ein wunderschönes Instrument mit warmen Bässen, weichem Klang und grossem Volumen. Die meisten meiner Eigenkompositionen spiele ich auf dieser Harfe.
André Schubert von der Klangwerkstatt baute meine kleine gotische Harfe, auf der ich die mittelalterliche Musik interpretiere: ein nasaler, herber Klang, der seine meditative Schönheit nur in entsprechenden Räumen – alten Klostermauern, Rittersälen oder Kapellen – entfaltet. Zu Beginn der neunziger Jahre veröffentlichte ich meine ersten Solo-CDs. Die Zusammenarbeit mit dem Plattenverlag Wundertüte hatte schon beim Folk-Quartett „La Rotta“ reibungslos funktioniert; so produzierte ich hier auch 1992 meine erste CD „Blue Strings“. Im selben Verlag erschienen drei weitere CDs („All in a garden green“ 1994; „Die böhmische Harfe“ 1997; „Harfenflocken“ 2000).
Nach langer Wartezeit konnte ich beim Harfenbauer Rainer M.Thurau in Wiesbaden im Sommer 2003 eine wunderschöne chromatische Harfe abholen. Diese „arpa doppia“ italienischer Bauart erweitert das musikalische Spektrum erheblich, da nun auch die Interpretation von Renaissance- und früher Barockmusik möglich ist. Meine CD „The Queen’s Harpe“ mit Musik aus Irland und „Merry Old England“ war die erste „Frucht“ dieser Beschäftigung mit historischer Musik des 16.Jahrhunderts. Diese CD veröffentlichte ich so wie die CDs „On a Winter’s Day“ (2001) und „The Queen’s Harpe“ (2004) im eigenen Label „Edition Harfenklang“. Das Programm „O’Carolan’s Dream“ mit Harfenmusik aus Irland und Schottland wurde 2008 auf CD veröffentlicht; zwei Jahre später erschien dann in Zusammenarbeit mit dem Label Raumklang die CD „Dowland’s Delight“. Mehr als fünf Jahre wirkte ich im Trio „Bois de Cologne“; unsere Konzerte mit Instrumentalmusik von Mittelalter bis Barock, aber auch die gemeinsamen Auftritte mit der Sängerin Maria Jonas waren sehr erfolgreich und wir nahmen gemeinsam die zwei CDs „Bois de Cologne“ und „Stella Splendens“ auf. (Verlag MarcAurel). Mit der virtuosen Blockflötistin Dorothee Oberlinger spielte ich von 2006 bis 2011 im Duo Barrocco Celtico, das sich überwiegend der irischen und schottischen Musik der Barockzeit widmete. Besonders intim und anspruchsvoll ist das Programm Märchen und Harfe, das ich zusammen mit der charismatischen Erzählerin Elfriede Gazis gestalte – ein ganzer Abend mit Märchen und Harfenklängen – einmal im Jahr im Rittersaal von Schloß Burg in Solingen. Beim Festival TFF Rudolstadt 2011 hatte ich im Konzertprojekt Magie der Harfe die Ehre, als „deutscher Vertreter“ gemeinsam mit fünf Harfenkollegen aus fünf Kontinenten auf der Bühne zu sitzen; im Herbst des selben Jahres wurde ich zum „Festival mundial del arpa“ nach Asunción in Paraguay eingeladen. Der junge Harfenvirtuose Sixto Corbalán weihte mich in die Geheimnisse der paraguayanischen Harfe ein – bei ihm lernte ich viele Spieltechniken und rhythmische Besonderheiten der südamerikanischen Musik kennen.
Neben dem aktiven Musizieren arbeite ich seit vielen Jahren auch musikjournalistisch: als Moderator und Autor vieler Radiosendungen in WDR und Deutschlandfunk befasse ich mich vor allem mit Themen der traditionellen und „Alten“ Musik.

Die "Tonspuren" werden unterstützt durch: