14. November 2016 19:30 Uhr

Kulturfabrik Becker&Funck, Düren

The fairy Queen - Ein Sommernachtstraum

eine Semi-Semi-Opera mit Musik von Henry Purcell
und Texten von Franz Fühmann
Titanias Band
Marie Friederike Schöder, Sopran
Thomas Höft, Sprecher
Stephan Rath, Laute und Leitung
Darja Großheide, Flöten
Daniel Deuter, Violine
Georg Kroneis, Viola da gamba

“Manche nämlich, die das Stück sehen wollten, störte die Musik, andere hingegen, denen besonders viel an der Musik lag, wollten nicht die Unterbrechungen hinnehmen, die durch soviel gesprochenen Dialog entstanden; also ist es am besten, beide Gattungen völlig voneinander zu trennen” So kennzeichnet Roger North (1653-1734) den Geburtsfehler der zwitterhaften Gattung der “semi-opera”, der “Halb-Oper”. Anerkannter Großmeister dieser Musiktheaterform war Henry Purcell (1659-1695). Als Musikdramatiker heute hauptsächlich durch seine damals fast völlig unbekannte Minioper “Dido and Aeneas” im Bewusstsein, war er zu seinen Lebzeiten hingegen berühmt für seine semi-operas “Diocletian”, “King Arthur” und Fairy Queen”. Was sind die Wurzeln dieser Art des Theaters? In den 20 Jahren Bürgerkrieg und Herrschaft Oliver Cromwells von 1640-1660 bis zur Wiederherstellung der Monarchie waren alle Theater in England geschlossen und auch andere Unterhaltungen und Belustigungen verboten. Mit der Rückkehr Karl II. auf dem Königsthron 1660 standen die Theatertüren wieder offen. Doch was spielen? Neue Stücke gab es nach 20 Jahren Aufführungsverbot noch nicht! Man griff auf die bewährten Dramatiker des frühen 17. Jahrhunderts zurück, allen voran auf William Shakespeare. Die Stücke dieser Schriftsteller wurden zum Teil radikal dem neuen Zeitgeist inhaltlich und sprachlich angepasst. Vor allem der Musik mit Gesangs-, Tanz- und Instrumentaleinlagen wurde großer Raum gewährt, mit zum Teil bis zu 2 Stunden Dauer – neben dem eigentlichen Theaterstück! Da die Handlung von den Schauspielern in gesprochenen Dialogen dargestellt wurde, konnte man nicht von wirklichen Opern sprechen und der oben zitierte Roger North schuf den Begriff der “semi-opera” für dieses janusköpfige Gebilde.
Mit unserer “Fairy Queen” wagen wir den Versuch einer kammermusikalisch verkleinerten “semi-opera”. Gewissermaßen eine “semi-semi-opera”, in der das Geschehen nicht auf breiter Bühne mit Kulissenwechsel, großartigen Maschineneffekten, glanzvoller Ausstattung, vollem Orchester, Sänger- und Schauspielerensemble dargestellt wird, sondern mit einem Schauspieler, einer Sängerin und Kammermusikgruppe eine Theaterwelt in der Vorstellung der Zuhörer hervorgelockt werden soll. Nicht durch das Auge, durch das Ohr, einem “Live-Hörbuch” gleich verfolgen wir die Welt im mitsommerlichen Zauberwald. Die Texte stammen aus “Ein Sommernachtstraum, nach William Shakespeare, von Franz Fühmann für junge Leser erzählt”. Die Musikauswahl bedient sich hauptsächlich aus “Fairy Queen” und für 2 Stücke aus “King Arthur” von Henry Purcell.

Programm
Zum Einlass D.Purcell Sonata J.Oswald Song Song J.Oswald, Song D.Purcell, Sonata
Prolog The Staircase Ouverture, anonym “If Love’s a sweet passion” aus der Triosonate von D.Purcell “She loves and she confesses too”
1. Kapitel Vom Krieg der Elfen, 4 unglücklich Liebenden und der Flucht Hermias und Lysanders Dance for the followers of the night “See, even night” “One charming night” “Hush, no more”
2. Kapitel In dem durch Zauberei die Liebespaare vertauscht werden und der Handwerksmeister Zettel als Esel verwandelt in den Armen der verblendeten Elfenkönigin das Paradies findet Prelude Monkey’s Dance Dance for the Fairies Dance for the green men Hornpipe “The Plaint”
3. Kapitel Wo die Verwirrung unentwirrbar wird, das Unglück zum Höhepunkt kommt und bevor die Katastrophe passiert, der Spuk ein Ende finden muss. Prelude Spring: “Thus the ever grateful spring” Summer: “Here’s the summer, sprightly, gay” Autumn: “See, see the many colour’d fields” Winter: “What power art thou” aus King Arthur
4. Kapitel Hier heiraten alle Chaconne
Epilog Zettels Traum “Fairest isle” aus King Arthur

Marie Friederike Schöder, Sopran
Ob auf der Opernbühne oder im Konzert: Die lyrische Koloratursopranistin und Bachpreisträgerin Marie Friederike Schöder verzaubert und begeistert mit ihrer Spielfreude, ihrer klaren, farbenreichen Stimme und ihrer einnehmenden Präsenz Publikum wie Presse. Die wandelbare Sängerin reüssiert immer wieder bravourös in ganz unterschiedlichen Stilen, singt Barock, Klassik, Romantik oder Gegenwart gleichermaßen atemberaubend und voller Leidenschaft. Presto Classical bezeichnete sie unlängst als „Shooting Star der Barockszene“, deren Stimme „mit Leichtigkeit in die Stratosphäre“ reicht.

Thomas Höft, Sprecher
arbeitet als Autor, Regisseur und Dramaturg in sehr unterschiedlichen Bereichen der Kunst. Er verantwortete große historische Themenausstellungen in deutschen und österreichischen Museen und schrieb Sachbücher – für „Welt aus Eisen“ wurde er mit dem Österreichischen Staatspreis Buchkunst ausgezeichnet. Vor allem aber ist er mit zahlreichen Theaterstücken und Opernlibretti bekannt geworden. So schrieb er eine Neufassung von Suppés „Schöner Galathee“ für die Deutsche Oper Berlin, das Ballett „Circe und Odysseus“ für den amerikanischen Komponisten Gerald Humel und die Berliner Komische Oper, und für Siegfried Matthus die Oper „Kronprinz Friedrich“, die von Götz Friedrich uraufgeführt wurde. 2006 folgte die Oper „Radek“ mit der Musik von Richard Dünser bei den Bregenzer Festspielen, und 2010 fand an der Wiener Staatsoper die Premiere von Thomas Höfts neuer Oper „Pünktchen und Anton“ nach Erich Kästner zur Musik von Iván Eröd statt. Iván Eröd vertonte auch Thomas Höfts Sinfonische Kantate „Øresund“ über die Rettung der dänischen Juden 1943.
Durch Götz Friedrich zu ersten Regiearbeiten ermutigt, nimmt die Musiktheaterregie einen gewichtigen Raum in Thomas Höfts Schaffen ein. Er inszeniert vor allem Barockopern, u.a. Fux‘ „Orfeo“ und „Il fonte della salute“ , Purcells „Dido and Aeneas“ und „King Arthur“ oder Händels „Xerxes“. Dabei arbeitete er mit Dirigenten wie Jordi Savall, Giovanni Antonini und Hermann Max.
Seit 1994 arbeitet Thomas Höft als Dramaturg des Grazer Klassikfestivals „styriarte“ und seit 2003 auch vom Osterfestival „Psalm”. Von 1999 bis 2001 war Thomas Höft Intendant des Brandenburger Theaters und von 2003 bis 2005 Intendant des Gedenkjahres zum Augsburger Religionsfrieden „Pax 2005“. Seit 2012 leitet er das Kölner Zentrum für Alte Musik (ZAMUS) als Geschäftsführer der Kölner Gesellschaft für Alte Musik.

Stephan Rath, Laute und Leitung
unterrichtete von 1991-2010 an der Folkwang Universität Essen die Fächer Laute, Generalbass und leitet Projekte im Alte Musik Bereich. Als Generalbaßspieler wirkte er u.a. bei über 120 Opernproduktionen mit, die er zum Teil auch leitete. Er ist Mitbegründer der Batzdorfer Hofkapelle und einer ihrer musikalischen Leiter. Mit der Sängerin Maria Jonas verbindet ihn seit über 25 Jahren eine enge musikalische Zusammenarbeit. Mit ihrem gemeinsam geleiteten Ensemble convoce.coeln waren sie Gast auf verschiedenen Festivals in Europa, Asien und Australien. Als Lautenist widmet sich Stephan Rath dem gesamten Repertoire und seinen spezifischen Instrumenten und Spieltechniken vom Mittelalter bis in die Frühklassik. Seit 2006 gibt er zusammen mit dem amerikanischen Gitarristen und Komponisten Scott Fields Konzerte mit komponierten und improvisierten Avantgarde-Jazz. Seine Arbeit als Solist und Generalbaßspieler ist auf über 60 CDs und zahlreichen Rundfunk- und Fernsehproduktionen dokumentiert.
Sein besonderes Interesse in Lehre und Konzert gilt der szenischen Umsetzung der Musik in unterschiedlichen konventionellen und experimentellen Formen.
In den letzten Jahren zunehmend musikdramaturgische Arbeiten; so erstellte er für die Internationalen Schütz Tage 2011 eine musikalische Fassung der verloren gegangenen ersten deutschen Oper „Dafne” von Heinrich Schütz auf Grundlage des erhalten Librettos von M.Opitz und im gleichen Jahr entwickelte er das Musiktheaterstück „Eines Schatten Traum” mit deutschen Musikwerken aus dem 30 jährigen Krieg; in 2012 eine Fassung der Oper „Cleofide” von J.A. Hasse für das Internationale Bachfest Leipzig. Daneben Theaterbühnenmusiken für Shakespeares „Sommernachtstraum”, Molières „Der Geizige” , Schillers „Fiesco” u.v.m.. Für die Händel Festspiele 2014 entwickelte eine Musiktheaterproduktion auf Basis der römischen Kantaten G.F.Händels.

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