18. April 2016 19:30 Uhr

Kulturfabrik Becker&Funck

Corelli auf dem Olymp

Ensemble Stilart:
Monica Waisman, Violine
Darja Großheide, Traversflöte
Elisabeth Wand, Violoncello
Klaus Mader, Laute und Barockgitarre
Stefan Horz, Cembalo
Klaus Kenke, Sprecher

Läßt sich über Geschmack streiten?

Um 1700 ist die gesamte Musikwelt des Abendlandes in zwei erbitterte Parteien geteilt: auf der einen Seite die Lullisten, die sich auf den französischen Komponisten Jean Baptiste Lully berufen, die oberste musikalische Instanz am Hof von Versailles und europaweit imitiert.
Auf der anderen Seite stehen die Verteidiger des Italienischen Stils, personifiziert vor allem durch den Geiger und Komponisten Arcangelo Corelli.
Präzision, Rafinesse und Eleganz stehen großer Sanglichkeit und leidenschaftlichem Temperament gegenüber.
Über Geschmack ließe sich nicht streiten?
Ludwig XIV. hatte verboten, ausländische Töne in die französische Musik zu mischen. Viele französische Musiker ihrerseits waren aber hingerissen von der neuen italienischen Musik. So komponierten sie heimlich im italienischen Stil wie z.Bsp. Francois Couperin, der seine eigenen Kompositionen zunächst für diejenigen eines italienischen unbekannten Komponisten ausgab; oder wie Nicolas Chédeville, der sein eigenes Werk als Opus 13 von Antonio Vivaldi in Paris drucken ließ. Dieser kleine Betrug wurde übrigens erst 1990 entlarvt: „il Pastor Fido“ erfreute sich 250 Jahre lang größter Beliebtheit, und Vivaldi, der kein Opus 13 geschrieben hatte, erfuhr wohl nie von dem Missbrauch seines Namens und seiner musikalischen Ideen.
Jean Marie Leclair, der nachher auch als „französischer Corelli“ bezeichnet wurde, war einer der besten Geiger seiner Zeit. Er suchte schon früh nach der „Réunion des gouts“, der Verbindung beider Stile, und mit dem Tod des Sonnenkönigs im Jahr 1715 wurde ihm die Anerkennung zuteil, die seine wunderbare Musik verdient. Erfrischend wirkt auch seine „Recreation de Musique“.
In seinen Apotheosen arrangiert der französische Komponist Francois Couperin überaus humorvoll ein Treffen von Lully und Corelli auf dem Parnass. Apollo selbst hat die Beiden dorthin zitiert und fordert die Aussöhnung der Geschmäcker. In der Vereinigung würde die Perfektion der Musik erlangt.
Auch in Deutschland setzte man auf den „Vermischten Geschmack“, in dem das Beste verschiedener nationale Stilelemente (französisch, italienisch, polnisch, deutsch) harmonisch zusammen fanden. Telemann hatte damit europaweit Riesenerfolge. Raubkopien der 1730 komponierten „Quadri“ kursierten u.a. in Paris.

Programm
Arcangelo Corelli (1653 – 1713 ) Violinsonate op.5,Nr.11 Preludio – Allegro – Adagio – Vivace – Gavotta
Louis Couperin ( ca 1626 – 1681 ) Passacaille en Ut Majeur für Cembalo solo
Nicolas Chédeville (1705 – 1782 ) Allegro ma non Presto – Giga aus der Sonate III in G (aus“ Il Pastor Fido“, Vivaldi RV58 )für ein Melodieinstrument und Basso continuo
Jean-Marie Leclair l`Aine ( 1697 – 1764 ) Deuxième Récréation de Musique op.VIII für zwei Flöten oder Violinen und Basso continuo
Pause
Francoise Couperin (1668 – 1733 ) Le Parnasse ou l`Apothéose de Corelli – Grande Sonade en Trio für 2 Melodieinstrumente und Basso continuo
Georg Philipp Telemann ( 1681 – 1767 ) Premiere Suite (Pariser Quartett, 1730) für Flöte, Violine, Violoncello und Basso continuo

Ensemble Stilart
MONICA WAISMAN, VIOLINE
absolvierte ihr Violinstudium am Oberlin College im US-Bundesstaat Ohio bei Marilyn McDonald sowie bei Elizabeth Wallfisch am Königlichen Konservatorium in Den Haag. Sie begann ihre Kariere als Barockgeigerin bei einigen der bekanntesten europäischen Ensembles und Orchestern der Alten Musik, die sie auf Tourneen durch die ganze Welt führten und mit denen sie an vielen verschiedenen Aufnahmen des europäischen Standardrepertoires mitgewirkt hat. Derzeit spielt sie neben Harmonie Universelle regelmäßig Konzerte in Europa, Nord- und Südamerika mit dem Ensemble Musica Temprana, mit dem sie erst kürzlich wiederentdeckte Schätze der Musikliteratur des 18. Jahrhunderts aus Lateinamerika aufgenommen hat. Weiterhin ist sie immer wieder als Kammermusikerin, Konzertmeisterin und Solistin verschiedener Ensembles in Europa sowie Südamerika gefragt. 2003 gründete Mónica Waisman mit Florian Deuter das Ensemble Harmonie Universelle.

DARJA GROSSHEIDE, TRAVERSFLÖTE
studierte zunächst Blockflöte bei Maestro Sergio Balestracci in Padua (Italien).Es folgten Studienabschlüsse an den Musikhochschulen von Maastricht (NL) und Köln.. Bei Prof. Karl Kaiser machte sie ein Aufbaustudium für Traversflöte an der MHS Frankfurt, bei Martin Sandhoff spezialisierte sie sich zusätzlich auf das Spiel romantischer Klappenflöten. Sie konzertiert mit verschiedenen Barockorchestern sowie in unterschiedlichen kammermusikalischen Formationen. Die Kammermusik und die dazugehörigen Recherchen nach Notenmaterial des achtzehnten Jahrhunderts bilden ihren Interessenschwerpunkt. Mehrere CD-Produktionen mit Ersteinspielungen ihres Ensembles „musica solare“ sind aus dieser Arbeit hervorgegangen. Seit Juni 2010 organisiert Darja Großheide die „Tonspuren“, eine Kammerkonzertreihe für Alte Musik, in Langerwehe.

ELISABETH WAND, VIOLONCELLO
studierte Cello an der Hochschule für Musik Köln bei Prof.J.Herzbruch sowie an der Musikhochschule Detmold bei Frau Prof. I. Güdel. Künstlerische Aufbaustudien an den Musikhochschulen Köln (bei M.M. Kasper) und an der Musikhochschule Frankfurt (Barockcello bei Prof. R. Zipperling) schlossen sich an. Neben ihrer Lehrtätigkeit tritt sie regelmäßig als Solistin und Kammermusikerin auf. Mit der Flötistin Dorothee Oberlinger wurde sie für das Nachwuchsforum Neue Musik der „Gesellschaft für Neue Musik“ ausgewählt. CD-Produktionen sowie Aufnahmen beim WDR, HR, SWR und im Ausland schlossen sich an. Seit 2002 widmet sie sich in verschiedenen Ensembles (z.B. Concerto Köln, Das Neue Orchester, Das Kleine Konzert) der historischen Aufführungspraxis.
Ihre Einspielung mit dem Geiger Stephan Schardt wurde 2014 mit dem renommierten ECHO-Klassik-Preis ausgezeichnet.

STEFAN HORZ, CEMBALO
studierte Kirchenmusik in Köln (A-Examen) und machte anschließend ein Orgelaufbaustudium in Hamburg bei Prof. Wolfgang Zerer. Sein Cembalokonzertexamen schloss er in Köln bei Prof. Ketil Haugsand “mit Auszeichnung” ab. Wichtige Anregungen für seine künstlerische Entwicklung erhielt Stefan Horz bei Meisterkursen mit Bob van Asperen, Glenn Wilson, Harald Vogel und Michael Radulescu. Stefan Horz konzertierte mit verschiedenen Orchestern der alten Musik – z.B. Concerto Köln oder der Neuen Düsseldorfer Hofmusik – und darüber hinaus als Solist und Kammermusiker mit eigenen Ensembles u.a. bei den Göttinger Händel-Festspielen, dem styriarte-Festival in Graz, dem Rheingau-Festival und in der Alten Oper Frankfurt. 1998 wurde Stefan Horz als Johannes Gefferts Nachfolger zum Organisten an der traditionsreichen Kreuzkirche in Bonn berufen.

KLAUS MADER, CHITARRONE und LAUTE
geboren 1974 in Ostercappeln bei Osnabrück, studierte klassische Gitarre bei Wolfgang Weigel an der Musikhochschule Detmold Abteilung Münster. Es folgte ein Studium der Renaissance-Laute und Chitarrone bei Paul Beier an der Civica Scuola Musica di Milano, dort ebenfalls ein Studium des Basso Continuo bei Prof. Roberto Gini. Anschließend folgte ein Studium der Barocklaute und des Basso Continuo bei Prof. Konrad Junghänel an der Musikhochschule Köln.
Klaus Mader wird gerne als Generalbasspieler eingeladen. Mit seinem Ensemble Mosaic Köln bringt er farben- und abwechslungsreiche Programme auf die Bühne.
Auftritte mit diesen Ensembles, aber auch Solokonzerte, führten ihn bisher zum WDR Musikfest, MDR-Musiksommer (Köthen), Festival Banchetto Musicale (Vilnius, Litauen), Festival for music and musicians (Ipsden, England) aber auch nach Russland, Italien, Schweiz, Lettland, Niederlande.

Die "Tonspuren" werden unterstützt durch: