15. Februar 2016 19:30 Uhr

Kulturfabrik Becker&Funck, Düren

Der brauchbare Virtuoso

Musik von Mattheson, Gabrielli, Telemann, JS Bach und Scipriani
Rafael Roth, Violoncello da spalla, Viola, Violine
Reinhard Siegert, Cembalo

Rafael Roth wurde in Hamburg geboren und bekam erst Geigen- und später Bratschenunterricht bei seinem Vater. Während des modernen Bratschenstudiums bei Jone Kaliunaite an der Musikhochschule Saarbrücken machte er erste Erfahrungen in historisch informierter Aufführungspraxis bei Mechthild Blaumer. Er studierte Barockgeige und -bratsche bei Sophie Gent am Conservatorium van Amsterdam bevor er schließlich für ein Masterstudium historischer Streichinstrumente nach
Köln zu Richard Gwilt wechselte, welches er 2014 herausragend abschloss. 2008-2013 war er Mitglied in der Jungen Deutschen Philharmonie und 2013-2014 Solobratscher des European Union Baroque Orchestra. Er war Stipendiat des Deutschen Musikrates und der „Fritz-Neumeyer-Stiftung“ und erhielt den Hamburger „Kemnitz“- Preis im Fach Viola. Meisterkurse bei Gottfried v. d. Goltz, Stephan Mai, Quatuor Mosaïque,Jürgen Kussmaul und Thomas Riebl rundeten seine Ausbildung ab. Für div. Rundfunkanstalten nahm er viel zeitgen. Musik und auch Uraufführungen auf, darunter ein ihm gewidmetes Solokonzert. In der Alten Musik arbeitete er u.a. mit Ivor Bolton Christopher Moulds, Lars- Ulrik Mortensen, Gottfried v. d. Goltz und Stefano Montanari zusammen und spielte u.a. Aufnahmen für die Labels Tactus und Obsidian ein. Er ist Mitglied des Hamburger Ensembles „barockwerk hamburg“,„Ensemble Paperkite“ aus Köln und „L’arte del mondo“. Rafael spielt regelmäßig bei mehreren Ensembles im Rheinland, so z.B.„Kölner Akademie“ und „Concert Royal Köln“ und arbeitet 2016 das erste Mal mit dem Balthasar- Neumann- Ensemble unter der Leitung von Thomas Hengelbrock und dem Freiburger Barockorchester zusammen. Konzerte und Festivals führten ihn durch ganz Europa, nach Russland, Nord-, Mittel- und Südamerika und Asien. Als Solist widmet sich Rafael besonders frühbarockem italienischen Repertoire, dem Violoncello da spalla und der Viola d’amore.

Reinhard Siegert wurde 1982 in Mainz geboren. Seine Ausbildung erhielt er 2003 – 2014 an der Hochschule für Musik Saar in Saarbrücken und am Conservatorium van Amsterdam in den Fächern Kirchenmusik, Orgel, Cembalo, Clavichord, Basso continuo und Improvisation. Zu seinen Lehrern zählen u.a. Wolfgang Rübsam, Menno van Delft, Miklos Spanyi und Richard Egarr. Nach erster Lehrtätigkeit als Assistent im Fach Schulpraktisches Klavierspiel 2008–2010 an der Hochschule für Musik Saar unterrichtet er seit dem Wintersemester 2013 als Dozent Klavierimprovisation und Musiktheorie (Analyse/Formenlehre und Komposition in historischen Stilen) am ArtEZ Conservatorium in Arnhem. 2014 wurde er beim STIMU-Symposium im Festival Oude Muziek in Utrecht mit dem Preis für das beste Lecture-recital ausgezeichnet.

Zur Viola da spalla: Leopold Mozart schreibt in seiner “Gründlichen Violinschule“ von 1787: ,heut zu Tage wird auch [das] Violoncell zwischen die Beine genommen…’. Ein guter Ansatz um die frühe Celloliteratur zu überdenken und mit der Viola da spalla zu probieren, zu welcher Johann Mattheson im “Neu=Eröffnetes Orchestre“ 1713 schreibt: ,…kleine Bass-Geigen/ …/ worauff man mit leichterer Arbeit als auff den grossen Maschinen allerhand geschwinde Sachen/ Variationes und Mannieren machen kann/ …Es wird mit einem Bande an der Brust befestigt…“ Im Grunde genommen ist Viola da spalla nur ein Begriff von vielen, die im Laufe der Zeit für solche Instrumente verwendet wurden. Bassa Viola, Violoncello di spala, Fagotgeige und Violoncello piccolo um nur einige zu nennen. Das in diesem Konzert erklingende Instrument ist ein Modell nach Johann Christian Hofmann von 1732, damals von Bach persönlich für die Thomaskirche in Auftrag gegeben worden und in einigen seiner Kantaten als „Violoncello piccolo“ benutzt worden.

Programm

J. Mattheson (1681-1764) „Der brauchbare Virtuoso“ Nr. 11, d-moll
Giovanni Antonio Pandolfi Mealli (1630-1670) Sonata op.3,Nr.4 „La Castella“ für Violine und Basso continuo
Johann Sebastian Bach (1685-1750) Sonate für Viola da und Cembalo obligato in G-Dur, BWV 1027
William Flackton (1709-1798) Sonata for a Tenor, G-Dur, op.2 Nr. 6
Pause
Georg Philipp Telemann (1681-1767) aus „Der getreue Musikmeister“ Neunte Lection, Sonate B-Dur für Viola da braccio & Basso continuo
Francesco Scipriani (1678-1753) Sonata Nr. 4 für Violoncello und Basso continuo Zwei Toccaten: Terza und Decima für Violoncello solo
Domenico Gabrielli (1651-1690) Sonata à Violoncello solo, con il Basso Continuo (G-Dur) Balletto primo für Violine und Basso continuo
Johann Gottlieb Graun (1703-1771) Trio [in B-Dur], hier in der Fassung des Komponisten für Viola und obligates Cembalo

Die "Tonspuren" werden unterstützt durch: